Erfolg?

Jeder Mensch (Frau oder Mann) füllt das Wort „Erfolg“ mit seinen Ideen, Wünschen und Zielen. Wir bestimmen selbst, ob wir uns als erfolgreich bezeichnen. Oft sind diese Bewertungen von vielen Begebenheiten abhängig und damit sehr persönlich.

Auf dieser Seite berichten Frauen von ihren ganz individuellen beruflichen Erfolgen. Sie, als Leserin, dürfen teilhaben an den Erfahrungen und sich motivieren lassen, über Ihre eigenen Ideen nachzudenken. Vielleicht wollten Sie doch schon lange mal Ihre beruflichen Qualifikationen auffrischen. Oder Sie brauchen Hilfe bei Ihrer Bewerbung. Oder Sie denken darüber nach sich selbständig zu machen. Was auch immer Sie in beruflicher Hinsicht bewegt. Wir sind für Sie da!

Wir wünschen Ihnen, dass Sie Ihren eigenen beruflichen Weg als erfolgreich bezeichnen. Und wenn noch ein wenig dazu fehlt, nehmen Sie mit uns Kontakt auf, dann schauen wir gemeinsam.

Herzlichst Ihre Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg – Heidenheim und Ostalbkreis

Juliet Egemole

„Ich bin 2017 nach Niederstotzingen gekommen. Die Stadtverwaltung benachrichtigt den Freundeskreis Asyl, sobald Geflüchtete neu hierhin ziehen. Eine Mitarbeiterin des Freundeskreises hat mich damals besucht und begrüßtIm folgenden Jahr bin ich von der Kontaktstelle Frau und Beruf zu einem Gesprächscafé eingeladen worden. Dort wurde ich auch gefragt, was ich mir beruflich wünsche. Ich habe gesagt, dass ich einen Deutschkurs besuchen und gerne im Altenheim arbeiten möchte. Doch dafür ist mein Deutsch noch zu schlecht. Im Mai 2020 habe ich eine Anstellung in Teilzeit gefunden, in der Kantine eines großen Unternehmens. Die Mitarbeiterin des Freundeskreises Asyl hat mir bei der Online-Bewerbung geholfen, sich damals aber wenig Chancen ausgerechnet, dass ich die Stelle auch bekomme. Hilfreich war, dass ich meinen Lebenslauf in meinem Sprachkurs schreiben konnte. Als dann das Vorstellungsgespräch anstand, hat mich Marcus Weichl begleitet und es hat geklappt.

Ich bin alleinerziehend, meine Tochter ist sieben Jahre alt und wir wohnen auf dem Land ohne Auto. Job und Kind zu vereinbaren ist deshalb nicht einfach für mich. Da ich über Mittag arbeite und erst um 17.00 Uhr nach Hause komme, geht meine Tochter nach der Schule zu einer Mitarbeiterin des Freundeskreis Asyl, die sich mit der Familie ihrer syrischen Freundin in der Betreuung abwechselt. Über diese Unterstützung freue ich mich sehr!“

Annette Rosenkranz, Leitung Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg – Heidenheim

„Unsere Kooperation hat sich vor drei Jahren entwickelt. Gemeinsam mit dem Bildungskoordinator für Neuzugewanderte in Heidenheim und dem Integrationsmanager für Sontheim und Niederstotzingen haben wir überlegt, wie wir die geflüchteten Frauen in unserer Region erreichen können. Daraufhin haben wir eine Veranstaltungsreihe mit einem praktischen und einem theoretischen Teil konzipiert.

2019 konnten wir drei Gesprächscafés zu Themen wie Ausbildung, Arbeitsmöglichkeiten oder auch rechtlichen Grundlagen organisieren. Auch Expertinnen und Experten von der Agentur für Arbeit und dem Jobcenter haben an den Gesprächscafés teilgenommen.

Unsere Angebote haben wir im Laufe der Jahre immer wieder überarbeitet und verändert – ganz nach den Bedürfnissen der Frauen.“

Frank Neubert, Bildungskoordinator für Neuzugewanderte in Heidenheim

„Zunächst haben wir Informationsveranstaltungen angeboten, zum Beispiel zur Rolle der Frau in der deutschen Gesellschaft oder zur hiesigen Berufslandschaft, die insgesamt auf gute Resonanz gestoßen sind. Teilweise haben wir im weiteren Verlauf nachgesteuert. Beispielsweise wurde deutlich, dass das Sprachniveau eine große Herausforderung ist. Manche Veranstaltungen – beispielsweise zu rechtlichen Fragen – waren zunächst auch inhaltlich zu kompliziert aufbereitet. Hier haben wir die Veranstaltungen angepasst, denn wir möchten die Hürden so niedrig wie möglich halten. Die Kontaktstelle hat anschließend Berufe ausgewählt und zahlreiche Unternehmen angesprochen. Wir vom Landratsamt haben dann Betriebsbesichtigungen organisiert.“

Marcus Weichl, Integrationsmanager für Sontheim und Niederstotzingen

„Unsere Kooperation begann so: Die Kontaktstelle hat in der Bücherei in Sontheim eine Veranstaltung für Frauen zum Thema Bewerbung angeboten, die einige geflüchtete Frauen aus dem Ort besucht haben. Für sie gab es wenig Angebote und die fanden größtenteils in Heidenheim statt. Das erfordert eine halbe Stunde Zugfahrt und stellt somit eine Hürde für die Frauen dar. Im Zuge unserer Kooperation führt die Kontaktstelle nun auch Veranstaltungen in Sontheim und Niederstotzingen durch, wie die Gesprächscafés. Dort können sich alle in lockerer Atmosphäre begegnen und zum Beispiel ihre Bewerbungsunterlagen überarbeiten.“

Warum wenden Sie sich ausdrücklich an Frauen?
„Wir hatten vor unserer Kooperation die Erfahrung gemacht, dass Frauen mit Migrations- oder Fluchterfahrung einen schweren Stand haben“, erzählt Frank Neubert. „Wenn wir beispielsweise Betriebsbesichtigungen für Geflüchtete und Migrantinnen und Migranten organisiert haben, sind dazu größtenteils Männer gekommen. In Kooperation mit der Kontaktstelle war deshalb unser Ziel, auch die Frauen zu erreichen.“
„Unser Kontakt zu den Frauen kommt häufig über eine Art Fürsprecherin zustande,“ erklärt Kontaktstellenleiterin Annette Rosenkranz. „Eine Frau, die selber geflüchtet ist und die wir vor Jahren in einen Beruf begleitet haben – die uns und unserer Arbeit also vertraut – empfiehlt uns weiter. Manchmal werden wir auch in Sprachkurse oder andere Kurse gerufen, wir haben außerdem gute Kontakte zu verschiedenen Frauengruppen. Frauen können unglaublich voneinander profitieren!“

 

Welche Ziele verfolgen Sie mit Ihrer Arbeit?
Die Kooperierenden wollen niederschwellige Begegnungen ohne Berührungsängste ermöglichen. „Thema bei den Frauen sind zuallererst Sprachkurse, aber auch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf“, berichtet Marcus Weichl, Integrationsmanager für Sontheim und Niederstotzingen.
„Wir ermutigen die Frauen, ein selbstbestimmtes Leben zu führen, einen Job zu finden. Gemeinsam mit der Kontaktstelle suchen wir auch nach Arbeitsplätzen vor Ort. Vor kurzem hat die Stadt Reinigungskräfte gesucht. Ich habe zusammen mit der Kontaktstellen-Mitarbeiterin und zwei interessierten Frauen Bewerbungsunterlagen erstellt und Trainings für Vorstellungsgespräche durchgeführt. Immer wieder erklären wir dabei, wie der deutsche Arbeitsmarkt funktioniert. Viele Frauen wollen arbeiten, zum Teil, weil es eine ökonomische Notwendigkeit für sie ist, aber der Wunsch nach Selbstbestimmung spielt ebenfalls eine Rolle. Meine Aufgabe als Integrationsmanager ist es ja auch, Selbstständigkeit zu fördern.
Ich bin mit 23 Familien in Niederstotzingen und Sontheim in Kontakt. Darunter sind auch Integrationsverweigerer, aber das ist die Minderzahl. Wir bemerken dann auch, wie die Frauen selbstbewusster werden, sich zutrauen, ihre Prüfung zum B2 Sprachniveau zu schaffen oder eine Ausbildung zu beginnen. Unsere Kooperation mit der Kontaktstelle läuft wirklich sehr gut.“

„Unsere Arbeit braucht einen langen Atem und wir müssen auf vielen Ebenen Vertrauen schaffen. Denn auch von unseren Kooperationspartnern möchte ich ja nicht als Konkurrenz wahrgenommen werden, sondern als Ergänzung“, erklärt Annette Rosenkranz.
„Dazu müssen wir immer wieder Gespräche führen und die Zusammenarbeit bei Bedarf neu abstimmen.“

Und das klappt, bestätigt der Bildungskoordinator für Neuzugewanderte Frank Neubert: „Im zweiten Jahr ging es uns vor allem darum, die Eigenverantwortung der Teilnehmerinnen zu stärken und ihre Zuverlässigkeit zu prüfen. Dazu haben wir beispielsweise gemeinsam eine Ausbildungsmesse besucht und dabei geschaut, wie verbindlich die Teilnehmerinnen sind.“

 

Wie lief die Arbeit in diesem besonderen Jahr?
„In diesem Jahr der Pandemie war der Kontakt sehr schwierig. Viele Frauen waren plötzlich wie von der Bildfläche verschwunden“, bedauert Kontaktstellenleiterin Annette Rosenkranz. „Die Sprachbarrieren sind für viele zu hoch in der digitalen Kommunikation. Das hat unsere Arbeit und Anstrengungen sehr zurückgeworfen.“
„In 2020 konnten ja auch die Gesprächscafés und Besichtigungen größtenteils nicht stattfinden. Aber die Kontaktstelle bietet einmal im Monat Beratungsgespräche vor Ort an, die ich mit interessierten Frauen organisiere. So konnten wir wenigstens teilweise Kontakt halten“, ergänzt Marcus Weichl.

 

Kooperieren Sie auch mit der Wirtschaft?
„Die Zusammenarbeit mit den Unternehmen ist unkompliziert“, erklärt der Frank Neubert. „Wir haben da fast durchweg positive Erfahrungen gemacht. Grundsätzlich sind die Unternehmerinnen und Unternehmer den Teilnehmerinnen gegenüber sehr offen und machen Einiges möglich.
Die Gastronomie, der Pflegebereich und die Gebäudereinigung sind bei Migrantinnen und geflüchteten Frauen beliebte Arbeitsfelder. Ebenso der Erzieherinnenberuf. Da gibt es allerdings einige Zugangsbarrieren, wie zum Beispiel die Sprache, die schulische Ausbildung oder das Kopftuch. Viele Frauen haben kleine Kinder, da ist eine mehrjährige Ausbildung oft schwierig. Und: wir haben von funktionalen Analphabetinnen bis hin zu Akademikerinnen alles dabei, die Vorbildungen unserer Teilnehmerinnen sind also sehr heterogen.“

Marcus Weichl bestätigt: „In unsere Gemeinde sind eher Frauen mit einem niedrigeren Bildungsstand gekommen. Nicht zuletzt deshalb organisieren wir Betriebsbesuche, damit sie sich orientieren können, ob es für sie etwas wäre, beispielsweise als Helferin im Altenheim zu arbeiten oder als Alltagsbegleiterin.“ Annette Rosenkranz ergänzt: „Viele geflüchtete Frauen sind mit Fragen beschäftigt wie: Ich will mich beruflich weiterentwickeln, aber kann ich meine Kinder ‚alleine‘ lassen, sie einer Kita anvertrauen? Die Ausbildung, die ich in meinem Herkunftsland gemacht habe, wird hier nicht anerkannt – soll ich eine neue Ausbildung beginnen? Frauen und Männer haben da sehr unterschiedliche Möglichkeiten und gehen meist selbstverständlich davon aus, dass sich der Mann auf jeden Fall in den hiesigen Arbeitsmarkt integrieren kann und muss. Für die Frauen gibt es dieses Selbstverständnis nicht. Aus all diesen Gründen erreicht man eine gelungene Integration nicht mit ein paar Maßnahmen – sie erfordert Geduld, Zeit und Netzwerkarbeit, Netzwerkarbeit, Netzwerkarbeit!“

Das können auch die Mitarbeiterin des Freundeskreis Asyl und Juliet Egemole bestätigen:
„Deutschkurse sind der Anfang des Weges, aber schon die Teilnahme ist nicht so einfach, denn je nach Status im Asylverfahren stehen den Menschen nur ganz bestimmte Kurse zur Verfügung.“ Weil Juliet Egemoles Verfahren noch nicht beendet war, konnte sie nicht an den sogenannten Integrationskursen teilnehmen und damit auch nicht genügend Deutsch für eine Ausbildung lernen.

 

Führen die vielen Anstrengungen zum Ziel?
Die 41-Jährige ließ sich aber nicht entmutigen, sie besuchte in den darauffolgenden Jahren die drei ihr angebotenen Kurz-Sprachkurse, nahm an unterschiedlichen Veranstaltungen der Kontaktstelle Frau und Beruf teil, absolvierte ein Praktikum in einer Hotelküche und ein weiteres in der Kantine eines Altenheims. Außerdem arbeitet Juliet Egemole seit drei Jahren auf Minijobbasis als Reinigungskraft in zwei Kirchen. Was sie dabei die ganze Zeit beschäftigt: Sie möchte ihr Deutsch weiter verbessern, denn die Sprache stellt die gebürtige Nigerianerin immer noch vor große Herausforderungen und zur Verwirklichung ihres Ziels – eine Ausbildung in der Altenpflege – sind ihre Deutschkenntnisse noch zu schlecht. Gerade hat sie von einer Möglichkeit erfahren, eine solche Ausbildung mit einem Deutschkurs zu kombinieren. Darum wird sie sich nun gemeinsam mit der Mitarbeiterin des Freundeskreises Asyl kümmern.
Vor allem aber sorgt sich Juliet Egemole um die Betreuung ihrer siebenjährigen Tochter.
Sie hat zwar eine Zusage, dass Nora den Hort ihrer Schule besuchen kann, doch bisher konnte ihre Gruppe noch nicht starten. Trotzdem ist Juliet Egemole froh, dass sie seit acht Monaten eine Stelle als Küchenhilfe hat, trotz der Corona-Pandemie eingestellt wurde, auch wenn sie teilweise in Kurzarbeit war. Dass das alles geklappt hat, ist der Verdienst vieler verschiedener Menschen – alle tragen ein Stück dazu bei, Juliet Egemole und anderen geflüchteten Frauen die Integration zu ermöglichen und (nur) gemeinsam gelingt das auch!

Carolin Morlock, Stellvertretende Leiterin Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg-Ostalbkreis

In der Kultur- und Kreativbranche sind Frauen stark vertreten – auch als Führungskräfte und Gründerinnen. Doch im Gestaltungsbereich arbeiten viele Frauen sehr nah am Material und haben den übergeordneten gesellschaftlich-wirtschaftlichen Rahmen dabei weniger im Blick.
Wir als Kontaktstelle sehen es als unsere Aufgabe, in diesem Bereich aktiv zu werden, denn die Branche ist ein bedeutender Wirtschaftsfaktor: In Ostwürttemberg haben wir mit rund 2.500 Unternehmen, Selbständigen und weiteren Akteuren eine überdurchschnittliche Anzahl, die in der Kultur- und Kreativwirtschaft tätig ist.

Simone Jansen, Projektleiterin Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg (WiRO)

Für uns hat der Funke gleich gezündet, uns an der Initiative zu beteiligen. Die Kreativ-Foren stoßen auf eine große Resonanz und werden von einem vielfältigen und breit gefächerten Publikum besucht. Wir erreichen damit also sehr viele Leute. Und: Wir als WiRo sind immer daran interessiert, Kooperationspartnerinnen und -partner zu gewinnen. Deshalb freuen wir uns über die Zusammenarbeit mit der Kontaktstelle Frau und Beruf.

Prof. Ralf Dringenberg, Rektor Hochschule für Gestaltung Schwäbisch Gmünd

Unsere Hochschule hat sich sofort an der Initiative beteiligt, wobei ich den Titel Kreativ-Forum eigentlich irreführend finde – wir sind auch nicht kreativer als die Lehman Brothers oder die Berufsgruppe der Ingenieure. Denn wir betreiben forschendes Lernen, sind eher technisch und wissenschaftlich ausgerichtet, weniger künstlerisch. Beim Design von Produkten geht es uns immer darum, den bestmöglichen Nutzen für Mensch und Umwelt zu erzielen.

Was ist das Kreativ-Forum genau?
„Kreativ starten, vernetzt wirtschaften, die Möglichkeiten und Gefahren künstlicher Intelligenz, Chancen und Risiken digitaler Tools – mit solch spannenden Themen beschäftigen wir uns im Kreativ-Forum Ostwürttemberg“, erzählte Carolin Morlock, stellvertretende Leiterin der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg-Ostalbkreis. „Einmal im Jahr laden wir gemeinsam mit unseren Kooperationspartnerinnen und -partnern zu einem Vortrags- und Netzwerkabend ein. Dort vernetzen sich gründungsinteressierten Frauen, Studierende, Start-ups und etablierte Unternehmen. Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus der Kreativbranche, aus Unternehmen, Industrie und Handwerk sowie andere Interessierte schätzen diesen Austausch sehr. Die für April 2020 geplante Veranstaltung ‚Nachhaltigkeit im Produktdesign – Impulse für kreative Lösungen‘ mussten wir wegen der Corona-Pandemie aber leider ins kommende Jahr verschieben.“

 

Was macht diese Initiative besonders?
„Bei unseren Veranstaltungen sind mir Qualität und ein offener Austausch wichtig“, betonte Carolin Morlock. „Wir geben fachlich hochwertigen Input, laden deshalb beispielsweise kleine und mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer mit besonderen ‚Spezialitäten‘ ein. Denn wenn man Akademikerinnen ansprechen möchte, kann man nicht wiederkäuen, was wir alle schon mehrfach gehört haben – sie wollen an der Spitze mitmachen.“

„Die Themen, die wir dort präsentieren, sind aktuell und relevant“, ergänzte Simone Jansen von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg (WiRO). „Existenzgründungen in der Kultur- und Kreativwirtschaft brauchen andere Ansätze. Denn – pauschal gesagt – sind Frauen bei Gründungen nicht so risikofreudig und treten seltener als Initiatorinnen auf. Das wandelt sich jedoch zurzeit. Gerade viele Studentinnen haben inzwischen mehr Mut. Bei den Foren erzählen Unternehmerinnen und Unternehmer von sich und machen damit ihre Arbeit sichtbar, geben Impulse. Und wir machen rund um die Veranstaltungen Öffentlichkeitsarbeit, platzieren Berichte auf den Social Media Plattformen – auch damit erhöhen wir die Sichtbarkeit von Frauen!“

Die Kontaktstelle Ostwürttemberg-Ostalbkreis arbeitet im ländlichen Raum, sie ist die kleinste der Kontaktstellen. Daher sind ihre Möglichkeiten, Marketing zu machen, begrenzt. Über Veranstaltungen wie die Kreativ-Foren vernetzen sich Frauen. Carolin Morlock ist dabei auch die Anbindung der Forschung wichtig: „Das ist eine Voraussetzung dafür, dass Innovation stattfinden kann. Wie entstehen neue Trends? Wird sich die Gestaltung unseres materiellen Umfelds durch KI verändern? Wie stellen wir in Zukunft Kleidung her? Solchen Fragen gehen wir in den Kreativforen nach. Unser Fokus liegt dabei auf den Gründerinnen, die unterstützen wir ja in der Kontaktstelle. Unser Ziel ist, dass sie sich von Anfang an besser für die Zukunft aufstellen. Dass beispielsweise jede Schneiderin erfährt, was auf ihre Branche zukommt, wie etwa sensorisches Ausmessen, Kleidung aus dem 3D-Drucker.“

„Deshalb ist unsere Hochschule die geeignete Kooperationspartnerin“, erklärte Rektor Prof. Ralf Dringenberg. „Das Verschönern der Welt interessiert uns wenig. Unsere erste Frage lautet nicht: Wie mache ich das Produkt schöner? Sondern: Brauche ich das Produkt? Wir sind Netzwerkerinnen und Netzwerker, verstehen Gestaltung nicht losgelöst, sondern als Schnittstellendisziplin, die sich mit modernen und ganz unterschiedlichen gesellschaftlichen Fragen und Wissensbereichen befasst. Uns geht es darum, konkrete Lösungen zu suchen und zu finden. Wenn wir ein neues Baugebiet gestalten sollen, fragen wir nicht zuerst, wie wir es im ästhetischen Sinne attraktiv gestalten, sondern: Wo müssen die Bushaltestellen hin? Wir schauen uns die Gegebenheiten vor Ort an und sprechen mit Bürgerinnen, Bürgern und Betroffenen. Denn sie sind Teil eines Netzwerks, das schauen wir uns dann ebenfalls an. Und so sollte man auch als Gründerin oder Gründer vorgehen. Es reicht nicht, ein Talent zu professionalisieren und sich dann selbstständig zu machen. Es braucht auch eine Marktanalyse und Vernetzung!“

 

Warum haben Sie das Kreativ-Forum gestartet?
„Die Idee zum Kreativ-Forum kam mir beim Besuch einer Veranstaltung, die sich mit der Vernetzung von Gründerinnen und Gründern kleiner und mittelständischer Unternehmen beschäftigte“, erinnerte sich Carolin Morlock. „Dort saßen nur Männer auf der Bühne. Das fiel auch der damaligen Geschäftsführerin der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Region Ostwürttemberg, Dr. Ursula Bilger, auf. Wir waren sofort der Meinung, dass wir etwas tun müssen, um die Sichtbarkeit von Frauen zu fördern und dass wir sie ermutigen müssen, sich zu vernetzen. Also haben wir die Veranstaltungsreihe ‚Kreativ-Forum‘ ins Leben gerufen. Die Hochschule für Gestaltung war sofort dabei. Danach konnten wir noch die Medien- und Filmgesellschaft Baden-Württemberg als Kooperationspartnerin gewinnen und später die Stadt Aalen. Wir alle freuen uns nun auf unser nächstes Forum im kommenden Jahr, das hoffentlich stattfinden kann, und auf viele weitere Kreativ-Foren!“

Madlen Scarati, Kontaktstelle Frau und Beruf Ostwürttemberg – Heidenheim

Meine letzte Bewerbung hatte ich vor Ewigkeiten geschrieben. Deshalb war ich mir erstmal unsicher, wie eine erfolgreiche Bewerbung heute überhaupt aussieht. Nach meiner Ausbildung als Bankkauffrau habe ich 22 Jahre lang bei dem gleichen Arbeitgeber gearbeitet, unterbrochen durch Elternzeit. Eine Freundin erzählte mir dann von einem Workshop der Kontaktstelle Frau und Beruf in Heidenheim. Sie war total begeistert und riet mir, ihn auch zu besuchen. Der nächste Workshop fand dann auch noch direkt bei mir im Wohnort statt.

Workshop zu Bewerbungen

Die Veranstaltung zum Thema „Die schriftliche Bewerbung – wann ist eine Bewerbung überzeugend, wie kann ich meine Stärken und Kompetenzen in einer Bewerbung präsentieren?“ gab mir wichtige Impulse, um meine Bewerbungsunterlagen professionell zu schreiben. Besonders toll war auch der Austausch mit den anderen Frauen. Die Atmosphäre war total locker und ich habe gemerkt, dass es anderen Frauen ähnlich ging wie mir. In dem Workshop wurde uns vermittelt, wie wir die wichtigsten Informationen über uns und unsere individuellen Stärken überzeugend präsentieren können. Das hat mir viel gebracht, wenig später bekam ich schon die erste Einladung zu einem Vorstellungsgespräch.

 

Vorbereitung aufs Vorstellungsgespräch

Auch dabei war mir die Kontaktstelle Frau und Beruf eine sehr große Hilfe. Vor dem Gespräch konnte ich mich mit einer Beraterin gezielt darauf vorbereiten. So fühlte ich mich gerüstet und konnte auch kritische Fragen des Personalchefs souverän beantworten.

Ich bin überglücklich, dass ich die Stelle danach auch bekommen habe. Ich finde es toll, dass es eine Kontaktstelle für Frauen gibt und habe auch schon meinen Freundinnen davon erzählt!

Gabi Engling

Schon als Kind hat mich die Arbeit mit Ton und Keramik in ihren Bann gezogen. Mir gefiel es, aus einem Klumpen Ton Skulpturen zu gestalten.

Auch während meiner Ausbildung zur Krankenschwester hat mich die Faszination am Töpfern nicht losgelassen – sie war mein Ausgleich zum anstrengenden Krankenhausalltag. Zusätzlich beschäftigte ich mich noch mit Aquarellmalen, Zeichnen und Kalligraphie. Die Qualität meiner Werke habe ich stetig weiterentwickelt, sodass Freunde und Familie mir schließlich geraten haben, ich solle mich doch mit meiner Kunst selbstständig machen.

Über eine Anzeige wurde ich auf die Kontaktstelle Frau und Beruf in Heidenheim aufmerksam. Die kompetente Beraterin beantwortete all meine sorgenvollen Fragen, nahm mir Ängste und beriet mich zu meinen nächsten Schritten. So empfahl sie mir unter anderem, ich solle mich bei der IHK Ostwürttemberg melden. Außerdem wies sie mich auf das informative und hilfreiche Netzwerk der selbständigen Frauen im Landkreis hin. Heute bin ich dort selbst aktives Mitglied.

Daraufhin wagte ich den mutigen Schritt und meldete ein Gewerbe an. Im ehemaligen landwirtschaftlichen Anwesen meiner Eltern habe ich mir einen neun Quadratmeter kleinen Verkaufsraum eingerichtet. Nach drei Jahren expandierte ich in die nebenanstehende Scheune, die ich meinen Anforderungen entsprechend umbaute. Inzwischen ist mein Verkaufsraum auf 100 Quadratmeter angewachsen und ich stelle neben meiner selbst hergestellten Keramik auch ausgewählte Garten- und Wohnaccessoires wie Lampen, Tischtücher und Düfte aus.

Zwei Mitarbeiterinnen auf Teilzeitbasis und meine Familie unterstützen mich.

Ich habe diesen Schritt nie bereut und bin glücklich, wenn Kundinnen und Kunden meine Scheune begeistert verlassen und gerne wiederkommen.

Emily Rall

Die Planerin Emily Rall kommt aus den USA und machte sich zunächst Sorgen, ob sie in Baden-Württemberg einen Job finden würde. „Die Systeme der Stadt- und Regionalplanung in Amerika und in Deutschland sind völlig unterschiedlich, sodass ich mir nicht sicher war, ob ich hier den Einstieg finde.“Als sie mit ihrem Mann 2012 in dessen Heimat gezogen war, hatte sie eine Promotionsstelle an der TU München und die Absicht, danach in der Bundesrepublik zu bleiben. Doch langfristige Perspektiven in der Forschung gibt es wenige, so war Emily Ralls Ziel, in der Praxis zu arbeiten.2015 kam sie mit der Geburt ihrer Tochter nach Aalen, weil ihr Mann dort eine Arbeit gefunden hatte und seine Familie in der Stadt lebt. „Im ländlichen Raum gibt es aber in meinem Berufsfeld noch weniger Jobs als in einer Großstadt und ich muss meine Arbeitszeiten auch noch mit der Betreuung meiner kleinen Tochter vereinbaren können.“Die BeratungDeshalb suchte sich die 38-Jährige Unterstützung und ging zu zwei Einzelberatungen in die Kontaktstelle Frau und Beruf Ostalbkreis. In den Beratungen analysierte sie ihre Situation und plante Kontaktaufnahmen mit potentiellen Arbeitgebern bei passenden Veranstaltungen. „Ich habe dann auch noch eine Workshopreihe der Kontaktstelle zur beruflichen Entwicklung besucht. Das war sehr hilfreich: Wir bekamen Orientierung, wie wir unsere berufliche Richtung finden können, wurden – auch mental! – auf Bewerbungen und Vorstellungsgespräche vorbereitet und kamen mit anderen Frauen ins Gespräch.“Als sie dann eine Informationsmail der Kontaktstelle Frau und Beruf Ostalbkreis zum Mentorinnen-Programm für Migrantinnen las, fühlte sie sich gleich angesprochen. Sie bewarb sich und wurde als Mentee in das Programm aufgenommen. Im Rahmen eines mehrmonatigen Mentoring wurde Emily Rall dann von einer Mentorin bei ihrer Berufswegplanung unterstützt.Der Mentoringprozess„Es war sehr hilfreich für mich, auszusprechen, was ich vorher nur im Kopf hatte! Auch die neutrale Sicht meiner Mentorin hat mir geholfen. Vorher hatte ich natürlich mit meiner Familie gesprochen, aber das ist etwas Anderes!“ So steuerte ihre Mentorin beispielsweise Ideen bei, wie Emily Rall ihre berufliche Zukunft alternativ zur Stadt- und Regionalplanung gestalten könnte, falls sie in diesem Bereich keine Stelle finden würde. „Alternativen zu haben, hat mich gestärkt.“Doch es kam anders: Emily Rall beobachtete den Stellenmarkt online und in der Zeitung, schaute sich an, welche Möglichkeiten sie hatte. Sie verschickte Bewerbungen und wurde auch zu zwei Vorstellungsgesprächen eingeladen.„Beide Male hat es nicht hundertprozentig gepasst, ich habe die Bewerbungen und Gespräche aber als Übungen betrachtet und mit meiner Mentorin durchgesprochen. Sie hat mich dann auch grammatikalisch verbessert, das war gut.“

Schließlich fand Emily Rall eine Stellenausschreibung, die sie bedingungslos ansprach. Sie bewarb sich und bekam den Zuschlag. Heute arbeitet sie als Landschaftsplanerin bei einem Regionalverband. „Die Arbeit ist abwechslungsreich und herausfordernd. Es gibt immer was Neues. Das ist mein Traumjob!“

Kontaktstelle Frau und Beruf Ostalbkreis, Dezember 2019

Wir freuen uns sehr über die positive berufliche Entwicklung von Frauen. Gerne begleiten wir auch Sie auf Ihrem Weg!

Sie sind schon mit uns in Kontakt und möchten Ihre Geschichte erzählen, von Ihren Erfahrungen mit unserer Kontaktstelle berichten? Wir freuen uns auf Ihre Nachricht.

HDH, OA